München, ein eiskalter Freitagabend. Der frühe Beginn des Winters hielt die Community keineswegs ab, denn über 80 Personen versammelten sich im Google Office für die Veranstaltung „Mentale Gesundheit im digitalen Zeitalter: Perspektiven von Experten“. Mit einer Warteliste von über 100 Personen war klar, dass das Thema in der Community Anklang fand. Drinnen war die Atmosphäre warm, und die Teilnehmer nutzten vor den Präsentationen die Gelegenheit, bei Speisen und Getränken zu netzwerken. Das Thema des Abends konzentrierte sich auf einen Bereich, der im Feld der Langlebigkeit (Longevity) oft übersehen wird, den wir aber für ebenso wichtig halten: Wie wirkt sich das digitale Leben auf unser mentales Wohlbefinden aus, und was können wir tun, um weiterhin erfolgreich zu sein? Um diese Frage zu beantworten, haben wir drei Experten versammelt: Daniela Ullmann, Claudia von Uckermann und Dr. Axel Schumacher. Hier ist eine Zusammenfassung ihrer Vorträge:
1. Daniela Ullmann: Das Reset, von dem du nicht wusstest, dass du es brauchst
Der erste Vortrag kam von Daniela Ullmann, Speakerin, Health Coach und Expertin für achtsame Performance, die sich darauf spezialisiert hat, Einzelpersonen dabei zu helfen, nachhaltige Energie, mentale Klarheit und emotionale Belastbarkeit im digitalen Zeitalter aufzubauen. Ihre Botschaft war einfach, aber kraftvoll: Gesundheit ist kein Ziel, sondern ein Lebensstil, den man durch Absicht und Achtsamkeit aufbaut. Sie begann damit, einige Statistiken über die „unsichtbare Epidemie“, die Arbeitnehmer betrifft, zu teilen:
64 % der Angestellten haben das Gefühl, nicht genug Zeit und Energie für ihre Arbeit zu haben.
Eine Stunde täglicher Ablenkung entspricht fast sechs Wochen verlorener Produktivität pro Jahr.
Menschen in Deutschland verbringen ca. 150 Minuten pro Tag mit ihren Smartphones, ohne die berufliche Nutzung.
Die Hauptverursacher sind Benachrichtigungen, ständige Erreichbarkeit, die Angst, etwas zu verpassen (Fear of Missing Out) und die Angst vor Leistungsüberwachung. Die Konsequenz ist das, was sie „Popcorn Brain“ nennt: ein überstimuliertes Gehirn, das ständig nach Neuem giert und nicht in der Lage ist, sich tiefgehend zu konzentrieren. Daraufhin stellte sie ihren 3-R-Rahmen vor, um die Kontrolle in einer Welt der Ablenkungen zurückzugewinnen:
Remove (Entfernen) bedeutet, unnötige Auslöser wie Benachrichtigungen und E-Mail-Überflutung zu eliminieren.
Replace (Ersetzen) ermutigt dazu, stressauslösende Gewohnheiten (wie gedankenloses Scrollen) durch erholsame Handlungen zu ersetzen.
Reclaim (Zurückerobern) steht für das Setzen digitaler Grenzen, wie das Schaffen eines nächtlichen „Digital Sunset“, das Einplanen fokussierter Arbeitsintervalle und häufiger „Nein“ zu sagen.
Graustufen-Modus, um die süchtig machende Anziehungskraft von Apps zu reduzieren
Outlook-Offline-Modus für geschützte Tiefarbeitszeiten
Wir lernten auch einfache Abendrituale kennen, die besseren Schlaf und die Balance des Nervensystems fördern: leichte digitale Hygiene, die 3-2-1-Schlafmethode (3 Stunden vor dem Schlafengehen: Essen einstellen; 2 Stunden vorher: Arbeit einstellen; 1 Stunde vorher: keine Bildschirmzeit) und eine 4-7-8-Atemtechnik, um den Geist in nur einer Minute zurückzusetzen, die wir während ihres Vortrags ausprobiert haben. Daniela schloss mit einer kraftvollen Idee: Energie ist die neue Währung. Zeit ist festgelegt, aber Energie ist erneuerbar, und ihr Schutz bestimmt, wie wir uns in unserer Arbeit, unseren Beziehungen und unserer persönlichen Entwicklung präsentieren. Eine einfache Erinnerung und ein notwendiges Reset für uns alle.
2. Claudia von Uckermann: Von Künstlicher Intelligenz zu Intuitiver Intelligenz
Der zweite Vortrag kam von Claudia von Uckermann, einer somatischen Therapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, die Hochleistungsträger zurück in den gegenwärtigen Moment führt. Sie untersuchte die Überzeugung, dass Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence) für uns von Vorteil ist, und betonte die Wichtigkeit einer bewussten Verkörperung (Conscious Embodiment). Verschiedene Herausforderungen der mentalen Gesundheit können einen Weg zum Reset des Nervensystems erforderlich machen, darunter Angstzustände, Essstörungen, Depressionen, Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Burnout, Schlafstörungen und chronischer Stress. Sie schlug drei Hauptwege vor, um „zurückzusetzen“ und eine bewusste Verkörperung anzusteuern:
Fühle deine Emotionen: Emotionen werden als Besucher beschrieben, die eingeladen, getroffen und dann gehen gelassen werden sollten.
Verbinde dich mit der Natur und synchronisiere dich mit dem Licht: Der Rat lautet: „Liebe die Natur, bleibe der Natur nah und studiere die Natur; sie wird dich niemals enttäuschen.“ Die Synchronisierung mit Licht beinhaltet die Erkenntnis, wie das Sonnenaufgangs-Lichtspektrum dem Hypothalamus (Gehirn) über die Netzhaut (Augen) signalisiert, dass „Der Tag beginnt“. Dieses Signal führt zu einem Cortisol-Anstieg und einer Melatonin-Abnahme.
Sei Teil einer Bewegung: Dies betont die Kraft des gegenwärtigen Moments, um Körper, Geist und Seele wieder zu verbinden. Ein hervorgehobenes Schlüsselprinzip ist: „Dein Körper hört jedes Wort, das dein Geist spricht.“ Eine Empfehlung von Claudia ist, alternative Therapien auszuprobieren und zu sehen, was für einen selbst am besten funktioniert, beispielsweise ihre Gesichtstherapie.
Claudia schloss ihre Session, indem sie uns das Erlebnis von Klangschalen ermöglichte. Als Gastgeberin der Veranstaltung war ich den ganzen Abend über etwas nervös, aber diese einfache Session ließ mich so viel ruhiger fühlen.
3. Dr. Axel Schumacher: Das soziale Konnektom
Die letzte Session kam von Dr. Axel Schumacher, einem Longevity-Wissenschaftler, Gründer, Startup-Berater, Futuristen und Gastgeber des Podcasts „Inside the Dating Mind“, der sich auf die Entwicklung von Lösungen spezialisiert hat, um Menschen zu helfen, Einsamkeit zu überwinden und sinnvolle Verbindungen aufzubauen. Axel argumentierte, dass der stärkste Prädiktor für ein langes und gesundes Leben die Qualität unserer Beziehungen sei, während der Fokus der Biohacker auf der Messung verschiedener Biomarker liegt, und dies unberücksichtigt bleibt. Er führte dann den Social Connectivity Value (SCV) als eine neue, vitale Metrik zur Verfolgung unserer Lebensqualität und -dauer ein.
Beziehungen sind der Schlüssel: Die Qualität unserer Beziehungen ist der allein wichtigste Prädiktor für langfristiges Glück und Gesundheit.
Einsamkeit ist tödlich: Einsamkeit wird als ebenso mächtig und gesundheitsgefährdend beschrieben wie Rauchen oder Alkoholismus.
Lebensverlängerung: Gute Beziehungen korrelieren mit einer signifikanten Zunahme der Lebensdauer: +5 bis 12 Jahre für Frauen und +7 bis 17 Jahre für Männer (+17-23 Jahre im Vergleich zu einsamen Menschen).
Die Präsentation hob einen besorgniserregenden Trend einer „Massiven globalen Einsamkeits-Epidemie“ hervor, von der insbesondere junge Erwachsene betroffen sind. Junge Erwachsene fühlen sich doppelt so häufig einsam (79 % im Vergleich zu 41 % insgesamt). Insbesondere Online-Dating hat „den Dating-Markt zerstört“, und sexuelle Inaktivität nimmt zu, wobei über 33 % der Männer und über 21 % der Frauen (im Alter von 18–30 Jahren) angeben, im letzten Jahr keinen Sex gehabt zu haben. Sein Rat bezüglich modernen Datings und Beziehungen lautet:
Klarheit statt Verwirrung: Beim Beenden einer potenziellen romantischen Verbindung bietet Ablehnung Klarheit, wohingegen Ghosting Verwirrung stiftet. Der Rat ist: „Triff eine Entscheidung!“ und kommuniziere klar, wenn keine romantische Zukunft beabsichtigt ist.
Trenn dich von toxischen Beziehungen: Diese sind schädlicher als gar keine Beziehung zu haben.
Verbessere deine Freundschaften: Dein SCV kann größtenteils durch Freunde erhöht werden. Es geht nicht nur um eine romantische Beziehung!
Suche nach Super-Connectors: Dies sind Freunde, die viele andere Verbindungen haben und dich mit größerer Wahrscheinlichkeit jemand Neuem vorstellen.
Axel präsentierte eine Methode zur Messung deines SCV. Dies verdient einen eigenen Artikel, also halte Ausschau nach einem neuen Post von ihm dazu!
Insgesamt war es ein fantastischer Abend, gefüllt mit großartigen Gesprächen und neuen Kontakten. Es war wunderbar zu sehen, wie viele Menschen daran interessiert waren, der Longevity Germany Community beizutreten und beim Projekt mitzuhelfen. Wir sind Daniela, Claudia und Axel dankbar, dass sie ihre Erkenntnisse mit uns geteilt haben, und freuen uns auf die nächste Veranstaltung!