Trainierte Immunität
ENTrained immunity
Geprüft von Maurice Lichtenberg
Trainierte Immunität — ein Konzept, das maßgeblich von Mihai Netea und Kollegen entwickelt wurde — bezeichnet die Fähigkeit angeborener Immunzellen, insbesondere Monozyten, Makrophagen und NK-Zellen, nach einem initialen Trainingsereignis verstärkte, unspezifische Antworten auf Sekundärstimuli auszulösen, ohne die klassische adaptive immunologische Erinnerung in Anspruch zu nehmen. Der Mechanismus beruht auf epigenetischer Reprogrammierung (Histon-Acetylierung und -Methylierung an Promotoren entzündlicher Gene) und einer metabolischen Umstellung hin zur aeroben Glykolyse, die gemeinsam die Aktivierungsschwelle der Zelle für Wochen bis Monate senken. Gut charakterisierte Induktoren sind β-Glucan (ein Pilzzellwandbestandteil) und der BCG-Tuberkuloseimpfstoff, für die in einigen kontrollierten Studien eine Reduktion heterologer Infektionen und der Gesamtmortalität gezeigt wurde. Trainierte Immunität unterscheidet sich grundlegend von somatischer Hypermutation und klonaler Selektion, die das B- und T-Zell-Gedächtnis definieren, und stellt ein epigenetisches Gedächtnis im angeborenen Schenkel des Immunsystems dar.
Quellen
- Netea MG, Joosten LAB, Latz E, Mills KHG, Natoli G, Stunnenberg HG, O'Neill LAJ, Xavier RJ. (2016). Trained Immunity: A Program of Innate Immune Memory in Health and Disease. *Science*doi:10.1126/science.aaf1098
- Netea MG, Domínguez-Andrés J, Barreiro LB, Chavakis T, Divangahi M, Fuchs E, et al.. (2020). Defining Trained Immunity and Its Role in Health and Disease. *Nature Reviews Immunology*doi:10.1038/s41577-020-0285-6
