Ischämische Präkonditionierung
ENIschemic preconditioning
Ischämische Präkonditionierung (IPC) ist ein hormetisches Phänomen, bei dem kurze subletale Sauerstoffentzugszyklen gefolgt von Reperfusion vor einem sonst letalen ischämischen Ereignis schützen. Murry, Jennings und Reimer zeigten 1986, dass vier 5-minütige Koronarverschlüsse das Infarktvolumen bei Hunden um ~75 % reduzierten. Zwei Schutzfenster sind bekannt: eine frühe Phase (1–3 h) über Adenosinrezeptoren, Proteinkinase C (PKC) und ATP-sensitive Kaliumkanäle (K_ATP) sowie eine späte Phase (12–24 h) durch Neusynthese von Hitzeschockprotein 70 und Stickstoffmonoxid-Synthase. Beide münden in Hemmung der mitochondrialen Permeabilitätstransitionspore (mPTP), deren Öffnung Kardiomyozyten bei Reperfusion tötet. Remote-IPC (RIPC), ausgelöst durch Manschetteninflation an einem Arm, überträgt Schutz über humorale Mediatoren (Nitrit, SDF-1, Mikro-RNAs) und autonome Nervenbahnen. Alter schwächt PKC-Signalgebung und K_ATP-Reaktivität — kalorische Restriktion und Training können dies teilweise ausgleichen. Trotz konsistenter Tierdaten fanden zwei randomisierte Studien (ERICCA n≈1.600; RIPHeart n≈1.400; 2015) unter Propofol keinen Nutzen nach Herzchirurgie — ein Hinweis auf anästhetische Interferenz. RIPC zur Schlaganfallprävention und weiteren Organschutz gilt als experimentell.
Quellen
- Murry CE, Jennings RB, Reimer KA. (1986). Preconditioning with ischemia: a delay of lethal cell injury in ischemic myocardium. *Circulation*doi:10.1161/01.cir.74.5.1124
- Yellon DM, Downey JM. (2003). Preconditioning the Myocardium: From Cellular Physiology to Clinical Cardiology. *Physiological Reviews*doi:10.1152/physrev.00009.2003
- Heusch G. (2015). Molecular Basis of Cardioprotection: Signal Transduction in Ischemic Pre-, Post-, and Remote Conditioning. *Circulation Research*doi:10.1161/circresaha.116.305348
